2026-04-12 –, Seminar room 2 Language: Deutsch
Unter dem Label digitale Souveränität wird momentan massiv in digitale Infrastrukturprojekte „made in Germany“ investiert. Unternehmen greifen darunter direkt in KI-Entwicklung, Wissenschaft und Bildung ein und rufen dabei eine nationale (digitale) Identität an. Soziale Bewegungen stehen vor der Aufgabe, lokale politische Praxis zu entwickeln, die den transnationalen Zusammenhang im Blick behält.
Amazon, Google, Meta, Tesla, Palantir und Co – wenn Kritik an Techkonzernen geäußert wird, stehen meist die US-Riesen im Fokus. Doch wie sieht es eigentlich in Deutschland aus? Als Reaktion auf die Entwicklungen in den USA und die damit einhergehende Faschisierung wird in der EU und in Deutschland unter dem Label digitaler Souveränität massiv in digitale Infrastrukturprojekte „made in Germany“ investiert: Datenzentren hier, Unternehmensförderung da, Deregulierungen dort.
Insbesondere die Digitalsparte der Schwarz-Gruppe positioniert sich wie kaum ein anderes deutsches Unternehmen unter diesem Label. Sie baut Infrastruktur für eine „souveräne“ Cloud, investiert in KI-Entwicklung, finanziert Professuren im Bereich KI und betreibt einen eigenen Bildungscampus. Damit nimmt die Schwarz-Gruppe direkten Einfluss auf KI-Entwicklung, Wissenschaft und Bildung und ruft dabei eine spezifische nationale (digitale) Identität an.
Wie kann eine Kritik aussehen, die darauf reagiert, wie Digitalprojekte in Deutschland politisch legitimiert, vermarktet und gesellschaftlich verankert werden? Worin unterscheiden sie sich von Strategien in den USA? Und was bedeutet das für soziale Bewegungen? Dabei stellt sich die Aufgabe, lokale politische Praxis zu entwickeln, die zugleich den transnationalen Zusammenhang im Blick behält.
Anna Kraher forscht zu Machtverhältnissen, Imaginationen und Infrastrukturen hinter Technologien. Sie ist in digitalpolitischen Kontexten aktiv.