Die Google-Proteste in Kreuzberg 2016-2018: Rückblick und Analyse
2026-04-11 , Seminar room 3
Language: Deutsch

Um folgende Fragen wird es u.a. gehen:

Aus welchen Bedingungen sind die Proteste hervorgegangen? Was hat sie charakterisiert?
Welche Analysen und Theorien des digitalen Kapitalismus’ haben sie informiert und unterfüttert? Wie aktuell sind diese heute?
Welche Protestpraktiken haben sie genutzt oder sogar hervorgebracht? Welche Perspektiven auf den digitalen Kapitalismus sind ihnen entsprungen?


Ende November 2016 kündigte Google an, in einer Halle eines ehemaligen Umspannwerks mitten in Kreuzberg 36 einen sogenannten Google Campus für Startups zu eröffnen. Die Neuigkeit erreichte die Nachbarschaft in einer Zeit des Aufschwungs von stadtpolitischem Aktivismus gegen Verdrängung von Wohn- und Gewerbemieterinnen aus dem bei Immobilieninvestorinnen begehrten Kiez. Schnell formierte sich Widerstand gegen die Pläne des Technologiekonzerns, dessen Zuzug zurecht als gefährliche Schwelle der andauernden Gentrifizierung Kreuzbergs gesehen wurde. Die Google-Proteste begannen. Für knapp zwei Jahre prägten Aktionen gegen den geplanten Campus den Kreuzberger Alltag und waren regelmäßiger Bestandteil der Berichterstattung über den Kiez und seine lebendige stadtpolitische Bewegung. Ende Oktober 2018 gab Google schließlich auf, stampfte die Campus-Pläne ein und übergab nach abgeschlossenem Umbau ein Jahr später die Räumlichkeiten im Umspannwerk an zwei sogenannte ”Sozialunternehmen“. Der Rückzug des Konzerns wurde als großer Erfolg der Bewegung gefeiert und international rezipiert.

Der Vortrag wirft einen Blick zurück auf die Google-Proteste und zeichnet deren Verlauf anhand von Erfahrungen der Beteiligten, von Medienberichten, politischen Druck- und Bilderzeugnissen, Fotos, Videomaterial und wissenschaftlichen Publikationen nach. Mit einem Abstand von fast zehn Jahren nach Beginn der Proteste sollen diese eingeordnet und kritisch befragt werden.

Stadtpolitischer Aktivist