2026-04-11 –, Seminar room 3 Language: Deutsch
Big Tech kann gar nicht genug Rechenzentren bekommen - maßgeblich getrieben vom globalen KI-Hype. Schon jetzt verschärft dies die Klimakrise. Doch Reiche und Merz möchten noch mehr Rechenzentren und begünstigen Amazon und Co noch weiter. All das zeigt: An den Rechenzentren vereinen sich die Kämpfe für Klimagerechtigkeit, digitale Selbstbestimmung und eine demokratische Zukunft.
In der Vorstellung der Bundesregierung führen mehr Rechenzentren quasi automatisch zu Wohlstand, Innovation und Unabhängigkeit - und zu KI-Systemen, die alle möglichen gesellschaftlichen und staatlichen Probleme lösen werden. Deshalb freut sie sich über jede Investitionsankündigung von Google, Amazon und Co, folgt deren Druck zur Deregulierung, schraubt an den Auflagen beispielsweise des Energieeffizienzgesetzes und begünstigt die Techriesen noch weiter.
Doch Deutschland ist bereits jetzt der größte Standort von Rechenzentren in Europa. Ihr Ausbau führt zu einem immensen Strom- und Wasserverbrauch. Schon jetzt werden immer mehr Gaskraftwerke zu ihrer Versorgung neu gebaut. Dank des KI-Booms wird dies in Zukunft zu einem Riesenproblem für das Klima.
Währenddessen erweisen sich die Versprechen der KI immer mehr als irreführend. Und in der jetzigen Form dient all der Hype vor allem Google, Amazon und Microsoft - mit all den damit einhergehenden Problemen.
Statt nur immer mehr KI und immer mehr Rechenzentren braucht es deshalb eine politische Debatte: Welche KI für welche Zwecke wollen wir – und wem nützt sie? Es braucht Regularien und eine Begrenzung des Hypes. Und es braucht eine IT-Infrastruktur, die allen nutzt. All dies kann nur eine starke Bewegung erreichen, die Klima-, Digital- und demokratische Ziele miteinander vereint.
Julian Bothe ist bei der NGO AlgorithmWatch verantwortlich für das Themenfeld „KI und Klimaschutz“. An der Schnittstelle von Digital- und Energiepolitik arbeitet er daran, den Ressourcenverbrauch und den Klimaschaden des aktuellen KI-Booms in Grenzen zu halten.