Gewalt? Geteilt!
12.04.2026 , Salon
Sprache: Deutsch

In Myanmar und Äthiopien trug Facebook zu Gewalt und Vertreibung bei. Wie Überlebende Meta nun vor Gericht zur Verantwortung ziehen.


Überlebende von Gewalt und Flucht verlangen Gerechtigkeit von Meta. Der Talk zeigt, wie Facebook zur Infrastruktur von Gewalt in bewaffneten Konflikten wurde, und stellt juristische Gegenwehr aus dem globalen Süden vor.

In den Monaten vor der Vertreibung der Rohingya ließ Facebook massenhaft Gewaltaufrufe von militärnahen Akteuren auf der Plattform zu. Der Rohingya-Aktivist Maung Sawyeddollah verklagte Meta auf Entschädigung. Doch statt der eigenen Verantwortung gerecht zu werden, machen Metas neue Content Policys es nun noch leichter, Hass zu verbreiten. Mit Amnesty International und anderen Organisationen hat Sawyeddollah daraufhin eine Whistleblower-Beschwerde gegen Meta in den USA eingereicht.

Auch während des bewaffneten Konflikts in Tigray, Äthiopien, kursierten auf Facebook unzählige Gewaltaufrufe. Meta ergriff erneut keine Gegenmaßnahmen, während seine Algorithmen polarisierende Inhalte verstärkten. Amnesty Internationals Researcher Fisseha Tekle wurde wegen seiner Menschenrechtsarbeit auf Facebook so massiv bedroht, dass er das Land verlassen musste, der Vater von Abrham Meareg ermordet. Mit einer Klage erreichten die beiden 2025 einen Durchbruch: Obwohl Meta argumentierte, es könne nur in den USA verklagt werden – was Kläger*innen aus dem globalen Süden massiv benachteiligen würde – entschied ein kenianisches Gericht, ihre Klage anzunehmen.

Lena Rohrbach ist Referentin für Menschenrechte im digitalen Zeitalter und Rüstungsexportkontrolle bei Amnesty International. Sie ist Mitglied der Mitgliederversammlung von Campact e.V. Zuvor arbeitete sie als Campaignerin und Journalistin, war Sprecherin der Piratenpartei und im Vorstand der Humanistischen Union. Sie hat Philosophie, Kulturwissenschaft und Geschichte sowie International Human Rights Law studiert.