11.04.2026 –, Salon Sprache: Deutsch
Wer in der Stadt heute den Kopf hebt, blickt selten ins Freie – sondern in Bildschirme, die sich Fassaden einverleiben, Energie fressen und Aufmerksamkeit verkaufen. Der öffentliche Raum gehört immer weniger den Menschen, immer mehr den Marken. Aber es geht auch anders – für Urbanität ohne Dauerberieselung und Konsumterror. Holen wir uns die Stadt zurück!
Immer mehr Werbeflächen im Stadtbild sind für die Mehrheit der Menschen seit Jahrzehnten ein stetig wachsendes Ärgernis. Doch mit dem Siegeszug der sogenannten Digital-Out-Of-Home-Werbung erreicht diese Kommerzialisierung des öffentlichen Raums eine neue Qualität.
Allgegenwärtige City-Lights und andere Screens schreien uns an jeder Straßenecke blinkend und oft in Form von Bewegtbild ungefragt Markenbotschaften entgegen. Dabei blenden sie uns, versperren uns den Blick, fressen Unmengen an Strom und machen die Nacht zum Tageslicht. Die von Big Playern wie Ströer und JCDecaux als Smart City vermarktete digitale Außenwerbung verwandelt unsere Städte in Dauerwerbesendungen. Was als Innovationssprung verkauft werden soll, ist in Wahrheit nur Lichtverschmutzung, Klimabelastung und Verkehrsrisiko. So wird der eigentlich allen Bürgern zustehende Raum zur Renditezone für wenige Konzerne.
Gegen diesen "Fortschritt" regt sich Widerstand. Hier in Deutschland ist das Volksbegehren Hamburg Werbefrei zwar zuletzt gescheitert, doch von Paris bis São Paulo entstehen werbefreie Zonen, kritisiert kreatives Ad Busting den Ausverkauf der Öffentlichkeit und es gründen sich Initiativen, um die Stadt zurückzuerobern. So wie jetzt wieder in Berlin.
Der Talk möchte einen Überblick geben und damit Inspiration sowie Mut liefern: Für eine Bewegung lebendiger, lebenswerter Städte, die wieder uns gehören – und nicht Sponsoren.
Nach dem Studium von Literatur, Philosophie und Geschichte hat Hendrik angefangen, in der Werbung zu arbeiten – und ist nun seit beinahe zwanzig Jahren dabei geblieben. Sein Job macht ihm immer noch Spaß, obwohl oder weil er dabei nicht müde wird, die negativen Auswüchse seiner Branche zu kritisieren. Hendrik lebt in Köln, arbeitet remote für eine Berliner Agentur und benutzt privat die alte Rechtschreibung.