Bodenreformen 1920, 1945, 1952
2025-09-02 , Schuppen [SG 50 tent 1]

Bodenreformen sind tiefgreifende politische und wirtschaftliche Maßnahmen, die Eigentumsverhältnisse, Nutzungsrechte und Produktionsstrukturen betreffen. Ziel solcher Reformen ist es zuallererst den Zugang zu Land und Grundvermögen gerechter zu gestalten. In Deutschland spielten Agrarreformen insbesondere in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine zentrale Rolle im Kontext von Krieg, Revolution und Wiederaufbau.

Nach dem Ersten Weltkrieg stand Deutschland vor enormen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen. Die Landverteilung war extrem ungleich: Ein großer Teil des Bodens befand sich im Besitz von Großgrundbesitzern, insbesondere in Ostpreußen, Pommern und Schlesien. Die Forderung nach einer Bodenreform wurde von sozialistischen, kommunistischen und agrarischen Bewegungen laut, insbesondere nach der Revolution von 1918/19. Die Weimarer Verfassung von 1919 enthielt erstmals das Ziel einer gerechten Bodenverteilung (Artikel 155), doch blieb deren Umsetzung arg begrenzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann in der sowjetischen Besatzungszone bereits im Herbst 1945 eine tiefgreifende Bodenreform unter dem Motto „Junkerland in Bauernhand“. Ziel war es, die Großgrundbesitzer (mit über 100 Hektar Land), die als Träger des preußisch-deutschen Militarismus galten, zu enteignen. Rund 3 Millionen Hektar Land wurden enteignet, davon über 1 Million Hektar an sogenannte "Neubauern" verteilt, die zuvor kein oder nur wenig Land besessen hatten. Doch während viele Menschen erstmals Zugang zu Land bekamen, fehlten ihnen häufig die Mittel und Maschinen für eine effiziente Bewirtschaftung.

Ab 1952 verfolgte die DDR-Führung unter der SED eine neue Phase agrarischer Transformation: die Kollektivierung. Einzelne Bauernhöfe sollten in Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPGs) überführt werden – ein Prozess, der mit freiwilliger Beteiligung begann, aber schnell unter Zwang durchgeführt wurde. Die Regierung wollte dadurch nicht nur wirtschaftliche Effizienz steigern, sondern auch die Kontrolle über den ländlichen Raum festigen. Viele Bäuer:innen, ob Alteingesessene oder solche die erst wenige Jahre zuvor Land erhalten hatten, wurden durch politischen Druck und ökonomische Schwierigkeiten zur Aufgabe ihrer Eigenständigkeit gezwungen. Bis Anfang der 1960er-Jahre war die Kollektivierung in der DDR weitgehend abgeschlossen.

Nach einer inhaltlichen Einführung in das Thema wollen wir in der Diskussion den Fragen nachgehen, ob und inwiefern Bodenreformen soziale Ungleichheiten verringern und die Landwirtschaft produktiver machen können, welche enorme emotionale Komponente bei diesem Thema zum Tragen kommt, und welche Folgen sich bis heute beobachten lassen.


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Nach einer inhaltlichen Einführung in das Thema der Bodenreform wollen wir in der Diskussion den Fragen nachgehen, ob und inwiefern Bodenreformen soziale Ungleichheiten verringern und die Landwirtschaft produktiver machen können, welche enorme emotionale Komponente bei diesem Thema zum Tragen kommt, und welche Folgen sich bis heute beobachten lassen.

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An alle Leutz, die sich für die konkrete politische Umsetzung von bäuerlichen und ländlichen Kämpfen interessieren

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Grobe Kenntniss der politischen Umbrüche in D nach den beiden verursachten Weltkiegen

k

k ist Teil des Vorstands der Solawi "Rote Beete" in Sehlis. Die "Rote Beete" versteht sich als selbstorganisiertes und basisdemokratisches Projekt, in dem alle je nach ihren Kapazitäten und Fähigkeiten zum Gesamtkunstwerk beitragen. Neben dem grandiosen Gemüse auf dem Acker gibt es agrarpolitischen und antifaschistischen Support für lokale Initiativen sowie regelmäßige Treffen und Arbeitsgruppen um die Belange der Solawi sowie des näheren Umlands zu diskutieren.